Beim Fotofestival Photo Kathmandu wurden die Gassen, Höfe und Plätze von Patan zu einer Galerie ohne Türen. Historische Fotografien hingen an Hauswänden und Wasserstellen, mitten im Alltag der Stadt. Menschen gingen vorbei, Motorräder standen unter alten Aufnahmen, und zwischen Baustellen und Ausstellungsbildern entstanden neue Geschichten.
Der vierseitige Bildessay von Clemens Weller erzählt davon in sieben Szenen. Die Reisegruppe betrachtete die Fotografien nicht nur, sondern antwortete auf sie: mit nachgestellten Gesten, einem Lächeln oder der Bereitschaft, sich auf eine unerwartete Begegnung einzulassen. Eine ältere Frau beobachtet zunächst verwundert das Geschehen vor ihrem Haus. Als Ingrid sich zu ihr auf die Bank setzt, entsteht ohne gemeinsame Sprache ein Augenblick der Nähe.
Andere Szenen verbinden Erinnerung und Gegenwart: Ein Mädchen mit einem Korb voller Steine scheint ein großes Wandbild fortzusetzen; wirkliche Motorräder greifen ein historisches Motiv auf. An einer alten Wasserstelle wird gedreht, während ein weiterer Besucher selbst Teil eines Ausstellungsbildes werden möchte. Der Essay zeigt, wie durch Zufall, Zuwendung und spielerische Inszenierung neue Bilder in den Bildern entstehen.
In der Galerie greifen Bild 160 – Ingrid und die Frau auf der Bank und Bild 161 – eine nachgestellte Geste vor dem Ausstellungsfoto diese Begegnungen auf.
Vier Seiten · Fotografien vom 4. November 2016. Die poetischen Deutungen im Essay sind keine Zitate der abgebildeten Menschen.